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News - Okwui Enwezor - Neuer Kurator im Münchner Haus der Kunst nimmt ECM in den Fokus - JazzEcho

30.01.2012
ECM Records
Okwui Enwezor - Neuer Kurator im Münchner Haus der Kunst nimmt ECM in den Fokus

Okwui Enwezor
© Andreas Gebert

In München hat sich letzte Woche der neue Direktor des Hauses der Kunst mit seinen Konzepten in einer ersten Pressekonferenz vorgestellt: Okwui Enwezor, der in der Kunstwelt u.a. als künstlerischer Leiter der Documenta 11 Furore gemacht hat.

Dabei wartete der gebürtige Nigerianer mit einer Überraschung auf: Unter dem Titel „ECM – Eine kulturelle Archäologie“ befasst sich die erste von Enwezor höchstpersönlich kuratierte Ausstellung vom 23. November 2012 bis zum 10. Februar 2013 mit der Arbeit des Produzenten Manfred Eicher und seines Labels ECM (Edition of Contemporary Music). 1969 in München gegründet war ECM eine der ersten von einem Musiker geführten Plattenfirmen in Europa; ihre Veröffentlichungen erlaubten besonderen Einblick in deren musikalische Auffassung. ECM achtete auf Werktreue statt auf kommerzielle Trends, und setzte mit seinen kristallklaren Aufnahmen von u.a. Paul Bley, Keith Jarrett und Chick Corea früh neue Maßstäbe für die Produktion von Platten allgemein.

Mit seiner Kenntnis sowohl in klassischer Musik als auch Improvisation, erweiterte Manfred Eicher das Programm der Plattenfirma schon bald um die Entwicklungen in moderner Komposition. Die frühen Aufnahmen von Steve Reich und John Adams waren für ECM prägend; den größten Einfluss jedoch hatte das Werk des estländischen Komponisten Arvo Pärt. Seine "Tabula rasa" veränderte die Landschaft der Neuen Musik.

In beiden Strängen der Repertoirepolitik, dem der improvisierten wie dem der klassischen und notierten zeitgenössischen Musik bei ECM New Series, verfolgt Eicher heute mehr denn je sein verlegerisches Anliegen, beständig ästhetisches Neuland zu erschließen und der Hörerschaft neue Gesichter vorzustellen. Die von Okwui Enwezor zusammen mit Markus Müller kuratierte Ausstellung beschäftigt sich nicht nur mit Musik, sondern auch mit Kulturpolitik. Dabei geht es um die theoretischen Aspekte afroamerikanischer Musik der 1960er-Jahre, der Blütezeit der Menschenrechtsbewegung, und um die Infragestellung herkömmlicher Kompositionsstrukturen. Dies führte zur Erfindung des Free Jazz – mit Künstlern wie Don Cherry, Art Ensemble of Chicago und Mal Waldron, dessen erstes Album "Free at Last" bei ECM aufgenommen wurde. Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette haben alle in den experimentellen Bands angefangen, die Miles Davis in den 60er-Jahren gegründet hatte.

Die Ausstellung wird neue Formate für die Präsentation von Archivmaterial, Musik, Filmen, Diskussionen, Workshops und Konzerten vorstellen. Welturaufführungen, Europapremieren und exklusive Kooperationen mit Künstlern, Musikern und Filmemachern ergänzen die Ausstellung. In seiner Vielfalt steht das Projekt auch prototypisch für Okwui Enwezors erweitertes Verständnis von Ausstellung.

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JazzEcho: weiterführende Verweise