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Biografie - Biographie, Bio, Vita, Biografie - JazzEcho

24.06.2010
MPS Records
Biografie des Labels

Als im Jahre 1962 die erste MPS-Schallplatte, die damals noch unter dem Vorgänger-Label SABA (Schwarzwälder Apparatebauanstalt) veröffentlicht wurde, hätte wohl niemand geahnt, dass vierzig Jahre später, die schwarzen Scheiben aus dem beschaulichen Schwarzwälder Ort Villingen weltweit zu den grössten Sammlerobjekten gehören würden. Heutzutage besitzt MPS einen Kultstatus, der für europäische Jazzproduktionen wohl einzigartig ist, und der auch Vergleiche mit den grossen amerikanischen Jazzlabels, wie beispielsweise Blue Note, erlaubt.

Doch wie ist es überhaupt zu diesem Status gekommen? Kult bedeutet schliesslich Hingabe und Verehrung, beides Attribute, die auf einen Mann zutreffen, der seine Leidenschaft zum Beruf machte, und damals die Plattenfirma gründete: Hans Georg Brunner-Schwer. Ausgestattet mit einem der modernsten Tonstudios und dem notwendigen finanziellen Background, er hatte schließlich das SABA-Imperium seines Grossvaters geerbt, produzierte er nicht nur weltbekannte Jazzmusiker wie beispielsweise Oscar Peterson, sondern förderte Brunner-Schwer auch grosszügig junge unbekannte Künstler und verhalf vielen von ihnen, wie z.B. George Duke, zum Start einer international erfolgreichen Karriere.

MPS war nicht nur das erste deutsche unabhängige Jazzlabel, sondern es präsentierte gleichzeitig auch die gesamte Bandbreite dieser Musikrichtung. Es liess sich bewusst nie in eine Schublade stecken, weil es für alle Formen des zeitgenössischen Jazz stand: Swing, Modern, Hard Bop, Blues, Jazzrock, Freejazz, Souljazz, Fusion, Advantgarde usw. Dabei soll nicht vergessen werden, dass SABA/MPS zudem einen umfangreichen Bestand an Klassik, Loungemusik, Folk, Cabaret, Kinderplatten und Weihnachtsaufnahmen umfasste.

Das breite und hochqualitative Spektrum des Jazzkataloges ist unbestritten auch ein Verdienst des im Jahre 2000 verstorbenen Autors, Produzenten, Konzertveranstalters, Radio- und TV-Redakteurs Joachim Ernst Berendt. Seine visionären MPS-Produktionen, wie beispielsweise die Serie "Jazz Meets The World", haben wesentlich zur stilistischen Offenheit des MPS-Labels beigetragen.

Waren es damals Persönlichkeiten, wie Brunner-Schwer und Berendt, die das Label MPS formten, so sind es heute die DJs und Remixer mit ihrer jazzy Attitüde, die eine junge Generation an die vergessenen Schätze der Villinger Schallplattenfirma wieder heranführen. Sie promoten, was einige bereits erkannt hatten, bevor es als "hip" deklariert wurde, nämlich dass MPS eine absolute Ausnahmestellung in der europäischen Jazzlandschaft einnahm und viele der Aufnahmen einen zeitlosen Wert besitzen.

Die immer zahlreicher werdenden Wiederveröffentlichungen und die daraus resultierenden steigenden Euro-, Pfund-, Yen- und Dollarkurse für die seltenen Originalplatten haben letztendlich ihren Teil zum Ansehen des Labels beigetragen. Somit werden auch die jährlichen Neuauflagen der Original MPS- und SABA-Produktion den Status von MPS weiter festigen. Sie bieten einen Einblick in die schon angesprochene stilistische Vielfalt der Produktionen und fördern dabei für Sammler und Neueinsteiger vergessene Perlen aus den Schatztruhen des Schwarzwälder Labels zu Tage.

JazzEcho: weiterführende Verweise